Wenn ein erfahrener Bundesliga-Torhüter, eine Landwirtin, die zudem eine der besten Handball-Torfrauen der Welt ist, und ein Nachwuchs-Trainer mit Angst vor Pferden zusammen auf der Bühne sitzen, sind die Zutaten für eine launige Runde gegeben. So auch am Dienstag bei der 14. Auflage von „19:09 – der schwarzgelbe Talk“ im Lensing-Carrée des Medienhauses Lensing.

BVB-Profi Roman Weidenfeller, Clara Woltering, die Torhüterin der BVB-Handballfrauen und Daniel Farke, der die Dortmunder U23 trainiert, hatten sichtlich Spaß beim fast zweistündigen Talk mit den Moderatoren Sascha Klaverkamp (Ruhr Nachrichten) und Matthias Scherff (Radio 91.2). Und die rund 150 geladenen Gäste durften sich bestens unterhalten fühlen und bekamen so manche lustige Anekdote serviert.

Sport und Beruf in Einklang bringen

Wie Woltering Sport und Beruf in Einklang bringt, das sahen die Gäste in einem eindrucksvollen Filmbeitrag von ihrem Hof im münsterländischen Coesfeld-Lette, auf dem die 34-Jährige „Herrin“ über mehrere hundert Bullen und Masthähnchen ist. „Das würde ich mir nicht zutrauen“, gab Weidenfeller ehrfürchtig zu, die Mammutbelastung mit der Bewirtschaftung eines Hofes und semiprofessionellem Sport sei aber vor allem eine Sache „des richtigen Timings“, wie Woltering meinte. „Natürlich ist man manchmal müde, aber der Sport ist für mich Ausgleich für die Arbeit.“ Und manchmal umgekehrt, wie sie schmunzelnd erklärte, „wenn wir, wie am Samstag, schlecht spielen und verlieren.“

Weidenfeller blickte mit Stolz auf seine lange Karriere beim BVB zurück. „Ganz bewusst“ habe er sich damals für den Schritt aus der Pfalz ins Ruhrgebiet entschieden, auch wenn dort die Nummer eins Jens Lehmann hieß. „Ich wollte zu einem großen Klub und konnte von einem wie Lehmann viel lernen.“

„Ich wollte ins Tor und hier was bewegen“

Nicht einfach war die Anfangszeit, in der er sich den Respekt Lehmanns und auch den der Dortmunder Fans erarbeiten musste. Weidenfeller lakonisch: „Ich habe immer mein Herz auf der Zunge getragen. Ich wollte ins Tor und hier was bewegen.“

Ganz Besonders sei auch der Moment gewesen, als sein Nationalmannschafts-Traum doch noch Realität wurde und Joachim Löw am Telefon war. Der 8. November 2013 war das, dieses Datum hat sich eingebrannt. „Ich dachte erst, das wäre Matze Knop!“ Warum es so lange dauerte mit der Berufung in die DFB-Elf? „Ich habe am Ende einfach weniger gequatscht und mehr gehalten.“

Farke ein Glücksfall für den BVB

Woltering möchte mithelfen, den Frauen-Handball populärer zu machen und zu professionalisieren. Die WM im Herbst findet in Deutschland statt, „das ist eine gute Chance“, meinte sie. „Wenn ich helfen kann, werde ich das gerne tun.“ Der Wechsel zum BVB vor zwei Jahren rundet eine außergewöhnliche Karriere ab. Im Montenegro hat sie gespielt und dort die Champions League gewonnen, Deutsche Meisterin war sie aber noch nie, „ich habe zu lange in Leverkusen gespielt“, witzelte Woltering.

Farke hat die U23 des BVB von einem abstiegsbedrohten Team zu einer Mannschaft mit Aufstiegsambitionen geformt. Das hat ihn auf die Notizzettel auch etablierter Profiklubs befördert. Noch ist offen, ob sein Weg beim BVB im Sommer weitergeht, doch der 40-Jährige betonte mehrfach, wie dankbar er für die Chance in Dortmund sei. Eigentlich, verriet er, habe er seinerzeit eine Trainerpause einlegen wollen. „Doch wenn Borussia Dortmund anruft, dann zögert man nicht lange.“

Als Winnetou auf einem Pferd

Die Lacher auf seiner Seite hatte Farke, als ein Foto seines Abschieds von seinem vorherigen Klub SV Lippstadt gezeigt wurde: Farke als Winnetou auf einem Pferd. „Der Vereinspräsident wollte damit auf meine angebliche Ähnlichkeit anspielen und was anderes machen, als den übliche Blumenstrauß zu übergeben.“ Dabei habe er, meinte Farke lachend, eigentlich Angst vor Pferden. „Die Ehrenrunde durchs Stadion habe ich aber unverletzt hinbekommen.“